Weihnachtsausstellung im Neuen Stadtmuseum Landsberg am Lech, Sonntag 7.12.2008 – 1.2.2009, Dienstag – Sonntag 14-17 Uhr (24.12. und 31.12. geschlossen)
Der Bildhauer Egon Stöckle lebt und arbeitet auf einem Hof in Hohenfurch am Lech. 1936 wurde er in Kaufbeuren geboren. Nach einigen Semestern Theologie und Philosophie widmete er sich der Bildhauerei und wurde Meisterschüler bei Prof. Heinrich Kirchner an der Akademie der Schönen Künste in München.
Bozetti sind kleinere Entwurfsmodelle für größere Arbeiten. Stöckles Bozetti zeugen von seinen Aufträgen im kirchlichen und öffentlichen Raum. Hält sich Stöckle bei den Auftragsarbeiten noch an die klassische Ikonographie, so löst er sich bei seinen freien Arbeiten fast gänzlich vom Abbild der Natur.
Egon Stöckle formt in seinen Werken innere Bilder und reduziert auf das Wesentliche. In seinem großen Werk, das er einfach nur „Gesicht“ nennt, beschränkt er sich auf das Gesichts und dessen Sinnesorgane. Nur vom Umriss zusammengehalten ist es offen: Solch ein monumentales und gleichzeitig transparentes Gesicht steht auf der großen Weide vor seinem Hof. Vom Wohnzimmerfenster aus ist es zu sehen und lässt den Himmel durchscheinen; von der Landschaft aus blickt der Bildhauer durch das Gesicht auf seinen Wirkungsort – so schaut er durch den Menschen.
Stöckles Darstellungen von Mensch und Tier spielen mit dem Schatten: Ihr Schatten ist größer als sie selbst. So weisen die Geschöpfe über sich hinaus. An Weihnachten feiern wir, wie die Schöpfung mit der Ankunft Christi über die irdische Existenz hinausweist.
Der Bildhauer Egon Stöckle (geb. 1936) lebt und arbeitet auf einem Hof in Hohenfurch am Lech. Nach einigen Semestern Theologie und Philosophie widmete er sich der Bildhauerei und wurde Meisterschüler bei Prof. Heinrich Kirchner an der Akademie der Schönen Künste in München.
Hier in der Stadt Landsberg werden viele von Ihnen seinen Arbeiten schon einmal begegnet sein. So ziert ein von ihm gestalteter Guter Hirte den Innenhof der Pfarrei Mariae Himmelfahrt in der Altstadt oder in der Kirche zu den Hl. Engeln findet sich ein von Stöckle gestalteter Tabernakel.
Die Entwürfe zu seinem Guten Hirten sind auch hier in der Ausstellung zu sehen. Daneben zeugen andere Bozetti im Erdgeschoß von seinen Aufträgen im kirchlichen und öffentlichen Raum. Bozetti sind kleinere Entwurfsmodelle für größere Arbeiten, die dem für große Arbeiten sehr aufwendigen Bronzeguß vorausgehen.
Hält sich Stöckle bei den Auftragsarbeiten noch an die klassische Ikonographie, so löst er sich bei seinen freien Arbeiten fast gänzlich vom Abbild der Natur. Egon Stöckle formt in seinen Werken innere Bilder und reduziert auf das Wesentliche. Bestimmte Themen beschäftigen ihn dabei über Jahre. So gibt es inzwischen eine ganz Werkgruppe zum Thema des menschlichen Antlitzes. Daraus ist in der Ausstellung ein großes Werk zu sehen, das er einfach nur „Gesicht“ nennt. Egon Stöckle beschränkt sich bei seinem Gesicht auf die Sinnesorgane, die er auf Stelzen gesetzt mit der Erde verbindet. Nur vom Umriss zusammengehalten ist es offen: Solch ein monumentales und gleichzeitig transparentes Gesicht steht auf der großen Weide vor seinem Hof. Vom Wohnzimmerfenster aus sieht der Künstler den Himmel durchscheinen; das Licht gibt ihm Leben; umgekehrt blickt der Bildhauer durch das Gesicht auf seinen Wirkungsort – so sieht er die Welt durch den Menschen und im menschlichen Maßstab.
Stöckles Darstellungen von Mensch und Tier spielen mit dem Schatten: Seine beiden Hunde im Raum gleich am Eingang haben Schatten, die größer sind als sie selbst. Der eine Hund hat einen Schatten aus Scherben. Dazu sagt der Künstler: Manch einer hinterlässt vielleicht nur Scherben. Der andere Hund aber hat einen positiven Schatten aus lebendigem Gras, in dem trotz Winterzeit die Blumen blühen. Ihr Schatten ist größer als sie selbst. So weisen die Geschöpfe über sich hinaus. Hier sehe ich auch eine Verbindung zu Weihnachten. An Weihnachten feiern wir, wie die Schöpfung mit der Ankunft Christi über die irdische Existenz hinausweist. Bild und Schatten sind für Egon Stöckle eine Ausdrucksweise sich mit dem grundsätzlichen Problem von Bild und Abbild auseinanderzusetzen. Schon die Bibel beschreibt die Schöpfung des Menschen im Bild des Bildhauers: Gott Vater formte aus Lehm nach seinem Abbild den Menschen. Vor ähnlichen Aufgaben steht der moderne Bildhauer, der aus seinen inneren Bildern heraus schafft. Immer wieder aber sieht Stöckle seine Bilder auch in der Welt, die ihn umgibt und vewandelt sich das Vorgefundene an: Besonders deutlich ist dies bei der Serie von Kreuzen im III. Stock. Hier finden sich Kreuze, in denen der Körper und die Kreuzbalken eins sind. Oder ein Kreuz besteht eigentlich nur aus Gussabfällen, in denen der Künstler doch die Kreuzform gesehen hat. Zur Gruppe der Kreuze gehört auch ein „Augenkreuz“. Ursprünglich war es nicht als Kreuz gedacht, doch die Kreuzform zeigte sich dem Künstler auch im menschlichen Gesicht.
Auf eine spielerische Weise nimmt Egon Stöckle Vorgefundenes auf. In den letzten Jahren wird er immer freier und gestaltete eine Serie von Arbeiten, in denen er Lechsteine mit Bronze kombiniert. Einige Werke dieser Gruppe finden sie im III. Stock gleich bei den archäologischen Steinfunden. Hier gibt es nun eine Venus von Hochenfurch zu bewundern mit einem wunderbar sinnlich runden Steinbauch oder einen Steinkopf, der als Mütze einen abgegossenen Stein in Bronze trägt. Stöckle kombiniert sowohl gefundene Natursteine mit von ihm gestalteten Bronzeteilen, wie er auch Naturstein abgegossen hat und diese dann wieder weiter bearbeitet hat. So fängt es zu schillert an, was Bild und Abbild ist.
Hier möchte ich nochmals einen Bogen schlagen zu den Werken von Josef Madlener. Auch bei Madlener ist die Natur wichtig. Wieder und wieder malte er sein heimatliches Ried oder die Tiere seiner eigenen Schafherde. In seinen Weihnachtsbildern ist die Landschaft oder die vielen Tiere an der Krippe Teil des weihnachtlichen Geschehens, sie ist selbst Göttlich. Auch Egon Stöckle hat eine Schafherd, wie sie im Film sehen können. Er lebt direkt am Lech auf einem Hof und sagt von sich, dass er aus dem Kontakt zur Natur wichtige Inspirationen zieht. Sowohl Madlener als auch Stöckle sehen in der Natur etwas Größeres, das über das reine Abbild hinausweist.
Nun möchte ich Sie einladen eigene Bezüge herzustellen. Beim Aufbau der Ausstellung hatten wir Freude zu erleben, wie plötzlich sich Bezüge auftaten und etwa ein moderner Bischof sich mit seinen spätmittelalterlichen Heiligenkollegen im Skulptursaal trifft oder die Madlener-Madonna mit dem frechen Frauen-Tryptichon von Stöckle spricht. Ich wünsche Ihnen, dass Sie mindestens ebensoviel Freude haben, wie wir beim Aufbau.
Margarete Meggle-Freund
Produzent: F. Kral, 2009