Einer der bedeutendsten Künstler des Rokoko ist der aus Wessobrunn gebürtige Stuckateur Johann Michael Feichtmayr. Mit Dominikus Zimmermann und Joseph Anton Feuchtmayer bildet er die qualitative Spitze dieser Kunst. Er arbeitete mit den berühmtesten und besten Künstlern seiner Zeit zusammen, so etwa mit den Architekten Johann Michael Fischer und Balthasar Neumann, den Malern und Freskanten Matthäus Günther, Franz Josef Spiegler und dem Bildhauer Johann Joseph Christian. Die Künstler aus dem Bauhandwerkerdorf Wessobrunn prägten als Stuckateure, Altarbauer, Maler und Architekten die zweite Kunstwelle des Barockzeitalters. Nach den Türkenkriegen 1683-88 und dem Spanischen Erbfolgekrieg 1701-14 erholte sich das Land langsam wieder. Etwa ab der Mitte des Jahrhunderts treten die vermögenden Klöster wieder als Bauherren auf. Wessobrunn liegt mitten im Pfaffenwinkel, der Region zwischen dem Starnbergersee, Ammersee, Lech und den Alpen, in der sich besonders viele Klöster befanden. Aus Wessobrunn stammend und in der Druck- und Kunstmetropole Augsburg ansässig wirkte Johann Michael Feichtmayr weit über die altbayerischen Grenzen hinaus.1)
In seiner Wirkungszeit von ca. 1738 bis zum Tod im Jahre 1772 gestaltete Feichtmayr die ganze Phase des Rokoko mit. Ein kurfürstliches Generalmandat Max III. Josefs vom 4. Oktober 1770 zur Regelung des ländlichen Bauwesens Bayerns läutete kurz vor Feichtmayrs Tod das Ende des Rokoko ein. Die Regelung fordert, „wenn ein Land-Gotteshaus neu zu erbauen wäre, alle Uebermaaß verhütet … dass mit Beibehaltung einer reinen und regelmäßigen Architektur alle überflüssige Stuckador= und öfters ungereimte und lächerliche Zierrathen abgeschnitten, an denen Altären, Kanzeln und Bildnissen einer der Verehrung des Heiligthums angemessene edle Simplizität angebracht werde.“2) Damit war der ornamentalen Kunst der Stuckateure der Boden entzogen.3)
Im Bestand des Stadtmuseums finden sich fünf Altarentwürfe des 18. Jahrhunderts: kunstvolle perspektivische Zeichnungen mit tänzerischen Engeln und elegantestem Rokokodekor.
Diese Altarentwürfe stehen im Zentrum der Sonderausstellung "Der Himmel auf Erden" - Blick in eine barocke Altarwerkstatt - im Neuen Stadtmuseum Landsberg am Lech vom 5.4. – 31.5.2009.
Zur Sonderausstellung “Der Himmel auf Erden“ wurde der Begleitband “Johann Michael Feichtmayr d. Ä. - Altarbauer und Zeichner“ von Elisabeth Hinterstocker veröffentlicht, aus dessen Einleitung obige Texte zu Johann Michael Feichtmayr stammen.