goldener glanz - Malerische Auseinandersetzung der Künstlerin Gotlind Timmermanns mit der Ausstattung der Stadtpfarrkirche

„Gold ist eigentlich keine Farbe, sondern ein Metall. In der Kunst kommt es doch vielfach zum Einsatz immer inhaltlich verknüpft mit hohem Wert oder Gottes Licht. In der Ausstattung barocker Bauwerke bringt die Vergoldung der Ornamente die Pracht des Bauwerkes zur Geltung und macht die Idee einer Loslösung der Materie hin zum Licht sichtbar. Gold als Farbe lädt ein, mineralische Töne mit tiefen Klängen, leuchtend warmes Strahlen mit kalten fast künstlichem Leuchten in ein Zusammenspiel oder in Konkurrenz zu bringen und sich so der magischen Wirkung und Faszination dieses Materials zu nähern.“ Gotlind Timmermanns.

So 25. April - So 16.Mai 2010, geöffnet täglich von 10-18 Uhr, Eintritt frei Öffentliche Einführung und Begegnung mit der Künstlerin am So 9. Mai 19-19:30 Uhr (vor dem Rathauskonzert)

Wir alle freuen uns, dass die Stadtpfarrkirche nun nach längerer Renovierung wieder zugänglich ist und in neuem Glanz erstrahlt. Auf Anregung von Herrn Oberbürgermeister Lehmann gestalten die Kulturschaffenden der Stadt Landsberger aus diesem Anlass zusammen die Landsberger Kulturtage. Im Rahmen dieser Kulturtage zeigt das Neue Stadtmuseum hier im Rathausfoyer die kleine Präsentation „goldener glanz“ – in der Reihe unserer Studioausstellungen im neuen Rathausfoyer.

Die Malerin Gotlind Timmermanns hat sich unter dem Motto „goldener glanz“ mit ihren modernen künstlerischen Mitteln mit der barocken Ausstattung der Stadtpfarrkirche auseinandergesetzt.

 Hochaltar der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt von Jörg Pfeiffer, 1680In goldenem glanz erstrahlt der Hochaltar der Kirche Mariä Himmelfahrt. 1680 – erst einige Jahrzehnte nach dem Ende des schrecklichen Dreissigjährigen Krieges konnte die Landsberger Gemeinde daran gehen, die Ausstattung ihrer Pfarrkirche zu erneuern und einen neuen Hauptaltar zu errichten. Im Stil der Zeit des frühen Barocks entwarf Jörg Pfeiffer einen großen Hochaltar, der wie ein raumhohes Gebäude die ganz Chorrückwand ausfüllt. Er bediente sich dabei eines aus der Antike entlehnten Repertoires architektonischer Formen. Auf einer Sockelzone aufgesetzt ist das Altarbild von mehrfach gestaffelten gedrehten Säulen gerahmt.

Diese besondere architektonische Würdeform der Säule ist großzügig vergoldet. Zusammen mit den weitgehend gold gefassten Figuren dominiert so der Eindruck des Goldes vor der braunen Architektur. In Landsberg ist der ab Mitte des 17 Jhrds. bei Altären übliche Farbakkord aus schwarz bzw. brauner Architektur mit nur einigen goldenen Elementen klar hin zum Schwerpunkt Gold verschoben.

 Volute am Hochalter der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Foto: Margarete Meggle-FreundHieraus hat sich Gotlind Timmermanns ein vergoldetes Volutenelement herausgegriffen. Auf- und ausgerollt vermittelt es zwischen der senkrechten Basis im Sockelgeschoß und den waagrechten Gebälk, auf denen Säulen und Heilige stehen. Auch im Kleinen spielt der barocke Schnitzer hier mit antikem Material, indem er einen antiken Eierstab mit Akanthuslaub kombiniert.

In der tridentinischen Messe stand der Priester nicht zur Gemeinde gewandt, sondern zum Altar; Sowohl Priester als auch Gemeinde waren auf den Altar, als den Ort der Präsenz des Herrn ausgerichtet. Er war mit den kostbarsten Materialien, die zur Verfügung standen geschmückt. Schon seit jeher galt Gold als Symbol des Himmels. Schon Moses hatte von Gott den Auftrag erhalten „Und sollst den goldenen Räucheraltar setzen vor die Bundeslade…“ (2 Mos 40:5) Und in der Offenbarung des Johannes heißt es: „die Stadt und die Straßen des neuen Jerusalems sind aus reinem Gold und klar wie Kristall“. So war Gold Symbol göttlichen Lichts und der Eigenschaften Gottes.

 Gotlind Timmermanns: Goldenes Ornament goldener glanz – Wenn man an einem sonnigen Nachmittag das von Frau Timmermanns ausgewählte Volutenornament betrachtet, scheinen die einzelnen Teile des Eierstabs wie Edelsteine zu funkeln – aufgelöst in Lichtreflexe, wie man das auch in ihrem Bild hier sehen kann.

Gotlind Timmermanns nähert sich dem goldenen glanz als Malerin. 1990 schloss sie ihr Studium der Malerei bei Prof. Butz und Prof. Helmut Sturm mit dem Diplom ab. 1994 erhielt sie den Kulturförderpreis der Stadt Landsberg. Seitdem stellt sie deutschlandweit und international aus, zur Zeit in Prag. Daneben arbeite sie als Kuratorin.

„Gold ist eigentlich keine Farbe, sondern ein Metall.“, stellt sie fest. Goldfarbe verwendet sie nicht. Vielmehr nähert sie sich dem goldenen Leuchten vom Untergrund her. Mehr- und vielschichtig baut sie ihre Bilder auf: erst die mineralisch Töne braun und dunkles lila im Untergrund bringen ein hellen leuchtenden Goldklang zum Strahlen und verleihen den Bildern Tiefe.

Gotlind Timmermanns bearbeitet die Leinwände vor sich auf dem Boden liegend. Sie hat eine eigene Technik des Farbauftrags entwickelt. In vielen Schichten in einem langwährenden Prozess, in dem die einzelnen Farbschichten immer wieder trocknen müssen, tropft sie die Farben mit dem Pinsel auf die Leinwand. So kann aus dem Fliesen der Farben schon mal ein Volutenschwung entstehen. Sie mischt sich ihre Farben selbst und kann so mit der Viskosität der Farben spielen: die einen fließen schneller, die anderen sind zähflüssiger. Dies ist aber keineswegs etwas Zufälliges.

Gotlind Timmermanns: Rondello gold, Öl/Lw 2010 90 cm In ihrem Rondello passiert die Entwicklung zum Licht im Bilduntergrund: von dunklen warmen Farben im unteren Teil hin zur hellen Goldtonigkeit, die das Rund oben abschließt. Darüber legt Timmermanns eine rote quer erzeugte, aber senkrecht zu lesende Achse, spannungsvoll gegen das runde Bildformat. Mit der Form des Tondo nimmt Gotlind Timmermanns eine Bildform auf, die vor allem durch die Madonnendarstellungen der italienischen Renaissance bekannt ist. Sie alle kennen wohl von Italienreisen die vielen Keramiktondi der Della Robbia oder die vielfach abgebildete Madonna Alba von Raffael. Timmermanns interpretiert den Tondo für sich neu als Form, in der sie malerisch nach „der Loslösung der Materie hin zum Licht“, nach goldenem glanz sucht.

Viel direkter ist der Bezug zum Gold in dem Textilobjekt mit dem Titel „Herz“ von Heidi Mühlschlegel. Es besteht aus verschiedenen Gold-Stoffen, goldfarbig, mit Goldpailetten oder gold gefärbt. Heidi Mühlschlegel schloss ihr Studium an der Münchner Akademie bei Norbert Prangenberg 2008 mit dem Diplom ab. Das Textilobjekt von Heidi Mühlschlegel besteht aus ineinander verschlungene Stoffwülsten. Kleine Füße erwecken figürliche Assoziationen. Ein goldenes Herz? Oder ein Herz, bei dem nicht alles Gold ist was glänzt? Finden Sie Ihre eigene Deutung!

Dr. Margarete Meggle-Freund

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