Der Internationale Museumstag ist der Höhepunkt der barocken Festwoche, 10. bis 17. Mai, im Neuen Stadtmuseum. Die Barocke Festwoche steht unter dem Motto „barocke Lebensfreude“. Verschiedene Veranstaltungen zu diesem Motto finden am 17. Mai, dem internationalen Museumstag, in den Städtischen Museen Landsberg statt.
10 Uhr: Festlicher Gottesdienst im barocken Rahmen mit Stadtpfarrer Rauch und barocker Musik des Ensembles „Orpheus Ecclesiasticus“
Im Anschluss an den Gottesdienst, Dr. Margarete Meggle-Freund: Führung durch die Ausstellung „Der Himmel auf Erden“ (Treffpunkt jeweils Museumskasse)
11 Uhr: Dr. Werner Fees-Buchecker: „Die Kupferstiche Michael Wenings im Neuen Stadtmuseum - Einführung in Leben und Werk des Kupferstechers und Verlegers“
11:30 Uhr: Wolfgang Weisse von den Museumsfreunden: „Landsberger Zinn und seine Zinngießer“
12 Uhr: Sigrid Knollmüller von den Museumsfreunden: „Die Familie Luidl“
14 Uhr: Rokokomodenschau vorgestellt von der Kostümbildnerin Brigitte Günczler (II. Stock)
14:30 Uhr: Barock-Tanzvorführung Marianne Rauch und Giles Bennett (II. Stock) 15 Uhr Rokokomodenschau vorgestellt von der Kostümbildnerin Brigitte Günczler (II. Stock)
15:30 Uhr: Barock-Tanzvorführung Marianne Rauch und Giles Bennett (II. Stock) 16 Uhr Rokokomodenschau vorgestellt von der Kostümbildnerin Brigitte Günczler (II. Stock)
10 – 17 Uhr: Büchertisch mit Frau Asam, Geschäftsführerin von Buch Hansa
10 – 17 Uhr: Handwerksvorführung: Die Restauratorin Beate Brettschneider, Landsberg zeigt Restaurierungstechniken.
10 – 17 Uhr: Kuchenbuffet der Museumsfreunde
17 Uhr: Klang im Raum, Ensemble „Orpheus Ecclesiasticus“ (Albert Frey, Countertenor, Petra Bader, Flauto dolce, Marion Kopeinig, Flauto dolce, Eva Maria Wende, Theorbe, Linda Bubreg, Truhenorgel), Veranstalter: Johannes Skudlik, Werke von Bach, Händel und Telemann
11 Uhr: Hartfrid Neunzert: Führung im Herkomer-Museum (Dauer 45 Min)
14 Uhr: Hartfrid Neunzert: Führung im Herkomer-Museum (Dauer 45 Min)
16 - 17 Uhr: Claudia Sepp: Teatime bei Herkomer im Mutterturm, Teilnehmerzahl begrenzt
20 Uhr: Konzert mit Pralinenverkostung „Schokolade und Eros im 18. Jh.“ Allegri Ensemble für Alte Musik München mit barocken Madrigalen, Opernmusik und Texten unter Leitung von Barbara Ebel und Florian Mehltretter (6 Sänger + Cembalo) mit Michael Dillinger Meisterwerk Chocolaterie
Nicht nur der König tanzt - auch im Neue Stadtmuseum in Landsberg am Lech lassen sich am Internationalen Museumstag, am Sonntag den 17. Mai,um 14:30 und 15:30 Uhr barocke Tänze bestaunen.
In prächtigen Kostümen führen Marianne Rauch und Giles Bennett barocke Solotänze vor. Sie geben einen kurzen Einblick in die Bewegungssprache und Vielfalt des Barocktanzes. Zu sehen sind einige der berühmtesten überlieferten Barocktänze: „Folie d'Espagne“ nach der Musik La Folia,“Aimable Vainqueur“ in gemäßigtem Tempo und die schnelle „Gigue de Roland“.
Marianne Rauch und Giles Benntt sind Mitglieder des Ensembles LA DANZA MÜNCHEN (Leitung: Jadwiga Nowaczek). LA DANZA rekonstruiert Barocktänze nach schriftlichen Quellen und stellt Barocktanz mit Erfolg auf die Bühne wie z.B. bei den Tanztagen in Bad Ischl, im Liechtensteinmuseum in Wien oder Tänze für die Oper „Dido und Aeneas“ von Purcell.
Die Kostümbildnerin Brigitte Günczler lässt die Modeentwicklung des 18. Jahrhunderts lebendig werden: Zu Anfang des Jahrhunderts ist die Silhouette noch schmal. In der Mitte des Jahrhunderts wird die Silhouette der höfischen Fraukleider immer breiter: Die Damen trugen so breite Hüftposter und Reifröcke, dass sie oft nur noch quer durch Türen gehen konnten. Schleppen und hohe Perücken vergrößern die Gestalt. Gegen diese Extreme wandte sich dann die Mode der Revolutionszeit, die als neues Ideal die Natürlichkeit verfolgte. Weich fließende Stoffe lassen die natürlichen Formen des Körpers unter der Oberbekleidung durchscheinen. Die Linie der Kleider wird schmal und die Taille ist hoch gesetzt, direkt unter die Brust.
Für die Rokokomodenschau konnten auch Landsberger Models gewonnen werden. Sie präsentieren nicht nur die Oberbekleidung, sondern lüften auch das Geheimnis der Unterwäsche der Rokokodamen.
Paar in Festkleidung des Rokokos um 1770. Der Herr ist in einen typischen Rock des 18. Jahrhunderts gekleidet. Ein solches Männerkleidungsstück befindet sich auch in der Sammlung des Neuen Stadtmuseums. Die Dame trägt eine Robe à la français mit Watteaufalten am Rücken. Der Stoff ist an der Schulter lose in Falten gelegt, so dass sich eine große Stoffmenge bauscht, die meist in einer Schleppe endet. Die Verwendung soviel teuren Stoffs – meist Seide – war Ausdruck höchsten Luxuses. Foto: Jan Hettler
Festliche Kleidung einer bürgerlichen Frau um 1770. Pet en-l'air: Als Tageskleid trugen die Frauen die robe à la français auch als kürzere Jacke, die im Alltag praktischer war. Für den Aufenthalt im Freien waren Schäferinnenhüte sehr beliebt. Damit bewahrte sich die feine Rokokodame ihre vornehme Blässe. Foto: Brigitte Günczler
Neues Stadtmuseum: 20 Uhr „Schokolade und Eros im 18. Jh.“. Musik und Texte rund um die Schokolade und ihre Rolle im Rokoko. Allegri Ensemble für Alte Musik München, unter Leitung von Barbara Ebel und Prof. Florian Mehltretter, mit Pralinenverkostung durch die Meisterwerk Chocolaterie Michael Dillinger, 12€, erm. 8 €
ALLEGRI Münchener Ensemble für Alte Musik
ALLEGRI – ‚die Fröhlichen’: So nennt sich das 2008 in München gegründete Vokalensemble, bestehend aus 5 bis 9 Sängern in variabler Besetzung. In Zusammenarbeit mit Solisten und Instrumentalisten erarbeitet es Projekte zur Musik des 15. bis 18. Jahrhunderts.
Allegri ist freilich auch der Name jenes Komponisten, dessen Werk in der Anfangsphase im Mittelpunkt der Arbeit der Gruppe stand: Gregorio Allegri, Autor des berühmten „Miserere“, aber auch vieler anderer hörenswerter Kompositionen, etwa Messen. Allegri, Mitglied der päpstlichen Kapelle in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, markiert quasi den Mittelpunkt des Repertoires der ALLEGRI, das von der Polyphonie der franko-flämischen Schule bis zum Ende des Generalbasszeitalters (und gelegentlich darüber hinaus) reicht.
Barbara Ebel unterrichtet Gesang an der Musikhochschule für Musik in München. Sie ist eine ausgewiesene Spezialistin für barocke Gesangstechnik und historische Aufführungspraxis. Der Romanist Florian Mehltretter lehrt an der Ludwigs-Maximilians Universität München. Er verbindet sein Talent als begnadeter Erzähler mit historischem Sachverstand und verfügt auch noch über eine sonoren Sängerstimme, die so manches Damenherz schmelzen läßt.
Michael Dillinger, der Meisterwerk Chocolatier
Michael Dillinger ist ein Meister der Confiseriekunst. Er betreibt ein Fachgeschäft am Landsberger Hauptplatz, das sich längst als Gehimtipp für Landsbergbesucher herumgesprochen hat. Für den Abend im Museum hat er eine eigene Kreation entwickelt. Kundig weiß er von seiner Kunst zu erzählen. Mit Kostproben spricht er den Gaumen direkt an.
Schokolade und Eros in Musik und Literatur des 18. Jahrhunderts
Eingerahmt von zwei aufgeheizt-erotischen Madrigalen von Alessandro Scarlatti präsentiert das Programm drei Kompositionen, in deren Texten Schokolade (als Heißgetränk) eine Rolle spielt: In den beiden Opernkompositionen von Mozart und Pergolesi geht es darum, dass Bediente (Despina bzw. Serpina) Schokolade servieren müssen. Despina beklagt, dass sie davon nur den Duft abbekommt, Serpina weigert sich schlicht, ihren Herrn Uberto mit dem süßen Getränk zu versorgen. Serpina verwendet dies letztlich als Machtmittel in ihrem Spiel um die Gunst Ubertos, den sie erotisch umgarnt und am Ende des Stückes heiratet.
Schokolade ist generell im 18. Jahrhundert mit Erotik assoziiert, nicht zuletzt in der Malerei, und deswegen kombinieren wir die Schokoladen-Szenen hier mit Kompositionen, die allgemein um Liebe, insbesondere um Liebesglut, kreisen – um Hitze also, das metaphorische Dritte, das Leidenschaft und Trinkschokolade verbindet. Neben den bereits erwähnten Scarlatti-Madrigalen gilt dies auch für das Kammerduett von Steffani. In den beiden Ausschnitten aus den Memoiren von Casanova wird die Verbindung von Schokolade und Eros auch literarisch sinnfällig.
Weniger ‚heiß’ ist die Schokolade hingegen in der Szene aus Charpentiers Plaisirs de Versailles. Hier dient sie nur der Versöhnung zwischen zwei der vielen Vergnügungen des Hofes von Versailles: Die Musik und die Konversation streiten um den Vorrang, und Comus reicht beiden Schokolade, damit sie sich vertragen. „Le Chocolat est bon.“
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