Leben und Werk der Bildhauerin Karin Mai

Bildhauerin Karin Mai

Ende März öffnet das Neue Stadtmuseum in Landsberg wieder seine Tore. Zum Auftakt der neuen Ausstellungssaison werden mehr als 120 Skulpturen und Papierarbeiten aus dem künstlerischen Nachlass der Bildhauerin Karin Mai (1940-2006) gezeigt.

Im Mittelpunkt der Ausstellung Begegnungen mit Fellini & Co. Die Bildhauerin Karin Mai stehen Porträtköpfe, die Karin Mai von 1960 bis 2002 von Schauspielern, Künstlern, Dichtern und vielen anderen von Angesicht zu Angesicht modellierte. Mit vielen der Persönlichkeiten war die Künstlerin eng befreundet, bei manchen suchte sie die Begegnung, weil der Mensch und sein Werk sie faszinierten.

Das künstlerische Werk von Karin Mai ist aufs engste mit ihrem intensiven Leben verknüpft. Ja, sie lebte für die Künste, für das Theater und vor allem für die Bildhauerei.

Im Alter von 17 Jahren ging sie 1958 nach Berlin, um ausgerüstet mit einem Begabtenstipendium an der dortigen Hochschule für Bildende Künste Bildhauerei zu studieren. Als sie kurz darauf ein Stipendium für das UFA-Nachwuchsstudio erhält, unterbricht sie ihr Akademiestudium zugunsten einer zweijährigen Schauspielausbildung. Sie lernt den Schauspieler Thomas Holtzmann kennen, von dem sie ihre erste Porträtmaske gestaltet. Ein Schwarz-Weiß-Foto, das als Coverbild für Katalog, Flyer und Plakat zur Ausstellung gewählt wurde, zeigt Karin Mai mit diesem Porträt.

Das Theater und das Schauspiel zählten neben der bildenden Kunst zu ihren frühen Leidenschaften, doch die Bildhauerei sollte sie ihr Leben lang nicht mehr loslassen. 1963 ging sie an die Salzburger Sommerakademie, wo sie bei Alfred Hrdlicka (1928-2009) lernte. Der Bildhauer faszinierte sie derart, dass sie später in dessen Wiener Ateliers arbeiten wird. Doch zunächst nahm Karin Mai ihr Studium an der Berliner Hochschule für Bildende Künste wieder auf, jetzt in der Bildhauerklasse von Bernhard Heiliger (1915 – 1995). Dieser hatte neue Maßstäbe in der Porträtplastik nach 1945 gesetzt, wandte sich jedoch in den 60er Jahren unter dem Einfluss des Informel der gegenstandslosen Kunst zu. Im Gegensatz zu Heiliger vertrat Karin Mai zeitlebens eine naturalistische Kunstauffassung. Aufgrund unterschiedlicher Kunstanschauungen kam es schließlich zum Bruch mit ihrem Professor, und sie verließ 1967 die Berliner Akademie. Zwei Jahre später ging sie nach Rom an die Accademia di Belle Arti zu dem Bildhauer Emilio Greco (1913-1995). Hier schloss sie ihr Studium 1974 erfolgreich ab.

Ein Leben lang vagabundierte Karin Mai zwischen Rom, Berlin, München und Wien. Dort arbeitete sie immer wieder mit dem bedeutenden Grafiker und Bildhauer Alfred Hrdlicka zusammen. Sie schuf zwei Porträtköpfe und mehrere Zeichnungen von ihm, die in der Ausstellung zu sehen sind. Neben dem Porträt dieses Künstlers, sind mehrere Bildnisse von Federico Fellini ausgestellt. Mit dem berühmten Regisseur verband die Künstlerin eine lebenslange Freundschaft. Von beeindruckenden Begegnungen erzählen auch die Porträtköpfe des Theaterintendanten August Everding, des Dirigenten Sergiu Celibidache, des Schauspielers Peter Lühr, der Schriftstellerinnen Grete Weil und Hilde Domin, den Pantomimen Marcel Marceau und Til Thiele sowie von vielen anderen Persönlichkeiten.
Neben den zahlreichen Porträtköpfen, die von Textzitaten und Bilddokumenten begleitet werden, sind auch Figuren und Figurenpaare zu entdecken, deren emotionale menschliche Ausstrahlung begeistern. Die Bildhauerin wollte niemals nur die äußere Form abbilden, sondern den Menschen in all seiner Vielseitigkeit, seinem Ausdruck und seiner Lebendigkeit durchdringen. Als tägliche „Fingerübung“ betrachtete sie dabei das Aktzeichnen, das sie zeitlebens trainierte. In einer „Petersburger Hängung“ zeigt die Stirnwand des größten Raums eine Auswahl dieser lebendigen Skizzen. Unbeeindruckt von Modeströmungen ging Karin Mai ihren eigenen künstlerischen Weg. Die qualitätsvollen, naturalistisch ausdrucksstarken Köpfe, Figuren, Figurenpaare Reliefs, Linolschnitte, Gouachen und Zeichnungen, die sie in über 40 Jahren schuf, geben ein beredtes Zeugnis ihrer Begabung. Anschaulich zeigen sie den Drang der Künstlerin, zwischenmenschlichen Begegnungen und Beziehungen modellierend und zeichnend nachzuspüren.

Zuletzt lebte Karin Mai in Schwabhausen bei Landsberg wo sie die Plakate für das Theaterlabor „Unser Theater e.V.“ entwarf.
Zur Eröffnung und anlässlich des internationalen Museumstages werden die Schauspieler den ausgestellten Porträtköpfen in einer Performance begegnen.

Zur Ausstellung erscheint der Katalog „Karin Mai – Begegnungen. Leben und Werk der Bildhauerin Karin Mai“ (Text und Konzeption: Gudrun Szczepanek), außerdem der Film „Karin Mai: Ein Leben für die Kunst“ (Regie: Gabriele Gärtner; Kamera: Reinhold Kocaurek). Ergänzend wurde vom Neuen Stadtmuseum ein Film zum Bronzeguss produziert (Regie und Kamera: Friedrich Kral).

Dr. Gudrun Szczepanek (Gastkuratorin)

siehe auch

 
 
 
Neues Stadtmuseum - Von-Helfenstein-Gasse 426 - 86899 Landsberg
Tel.: 08191-128-360, 08191-128-361 zu den Öffnungszeiten
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14 - 17 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertags 10 - 17 Uhr
und nach Vereinbarung

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