Stadtmuseum Landsberg am Lech
„Wege nach Landsberg“ ist der Titel der neuen Dauerausstellung im Stadtmuseum Landsberg am Lech. Sie zeigt auf 700 Quadratmetern die wichtigsten Kapitel der Stadtgeschichte, die Landsberg und seine Menschen geprägt haben. Die inszenatorische Dramaturgie vermittelt Stadtgeschichte inklusiv, interaktiv und multimedial.
Ein Stockwerk widmet sich dem Wandel der Stadt. Die Stadtentwicklung von den Siedlungsanfängen bis in die Gegenwart kann auf einem Stadtmodell mit Projektionen in sieben Kapiteln erkundet werden. Die Ausstellung erzählt von Salzhandel und Stadtgründung, der Bedeutung und Strahlkraft des Jesuitenordens in Landsberg. Ein eigener Raum ist dem Lech gewidmet, der früher wie heute im Leben der Landsberger eine wichtige Rolle spielt. Auf einem Marktplatz treffen Besuchende Bürger und Vereine, erkunden Tracht und Mundart, Sagen und Glaube, Feste und Freizeit, sowie Landsberger Zünfte.
Der Zeitgeschichte widmet sich das zweite Stockwerk, denn in Landsberg verdichteten sich historische Ereignisse von europäischer Dimension. In Landsberg schrieb Hitler in sogenannter „Festungshaft“ den ersten Teil seiner Hetzschrift „Mein Kampf“ und hier nahm der Hitlermythos seinen Anfang, der politisches Kapital aus der Haft zu schlagen versuchte.
Im Ausstellungsraum „Volksgemeinschaft ist Ausgrenzung“ zeigen lokale Beispiele, wie ganze Bevölkerungsgruppen im Nationalsozialismus ausgegrenzt und verfolgt worden sind. Die Biographien erzählen von Facetten menschlichen Handelns wie Profitgier, opportunes Verhalten, Gleichgültigkeit, aber auch von vereinzelten Hilfeleistungen und Widerstand. Geschichte ist damit nicht fern, sondern nahbar, lässt sich an lokalen Orten und Personen fassen und verständlich machen.
In Landsberg entstanden im letzten Kriegsjahr elf Außenlager des KZ Dachau. Der Raum „Ausweglos“ zeigt die unvorstellbare Dimension des nationalsozialistischen Mordprogramms: 21.760 Namen der 23.500 Häftlinge, verschleppt aus ganz Europa, sind namentlich bekannt und füllen drei Wände des Raums.
In Nachkriegszeit verbindet sich der Name der Stadt aber auch mit der Hoffnung auf einen demokratischen Neuanfang: Hier entstand eines der bedeutenden Auffanglager für Überlebende des Holocaust. Zeitgleich verbüßten verurteilte NS-Kriegsverbrecher ihre Strafen im War Criminal Prison der amerikanischen Besatzungsmacht. Zum Abschluss dokumentiert die Ausstellung erstmals eine Chronologie der späten Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Landsberg.
Graue Filzwürfel stehen in der Szenographie als Metapher für den Nationalsozialismus, der weite Teile der Gesellschaft erfasste - und dafür, dass rechtsextremes Gedankengut auch heute den demokratischen Zusammenhalt herausfordert. Die Ausstellung leistet einen Beitrag zur politischen Bildung und setzt ein deutliches Zeichen gegen den wachsenden Populismus.
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